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Die Spiele-Industrie war bislang zu 99 Prozent von Männern dominiert. Angefangen von raffgierigen Marketing-Strategen, bis hin zu total realitätsfremden Programmierern, Grafikern und 3D-Modellierer, welche Standard-mäßig bei einer Spiele-Entwicklung zwei Jahre in Akkordarbeit die ein und dieselbe Tätigkeit wieder und wieder wiederholen müssen. Es sind jene Männer, welche vor 20 Jahren mit den Anfängen der Spiele-History ihre Jugend verbracht haben und jetzt in sogenannten “Spieleschmieden” (Entwickler-Teams / Studios) – mit Größen von zwanzig bis mehreren hundert Mitarbeitern und Zweigfirmen – untergekommen sind. Wenn man sich die Top 70 der einflussreichsten Größen der Spiele-Entwicklung anschaut, sticht neben einigen weltberühmten Ikonen - wie Peter Molyneux (Black & White, Fable, Dungeon Keeper), Sid Meier (Civilization, Railroad Tycoon), Warren Spector
(Deus Ex, System Shock), Shigeru Miyamoto (Super Mario, The Legend of Zelda, Donkey Kong), den Houser Brüdern (Grand Theft Auto) und Will Wright (Die Sims, SimCity, Spore) - eine Person besonders hervor: Die fast einzige Frau in der Liste. Jade Raymond.
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Jade Raymond (geboren 1975 in Kanada) studierte in Montreal Computer-Wissenschaften und Kunst (!!!) und programmierte schon in jungen Jahren Lernspiele für IBM. 2002 entwickelte sie bei Electronic Arts das Spiel „Die Sims Online“ mit und wechselte dann 2004 zu Ubisoft Montreal. Ubisoft ist einer der größten Spiele-Publisher (Publisher = veröffentlicht Spiele) und gleichzeitig auch Spiele-Entwickler der Welt. Der Firmenhauptsitz liegt in Paris. Weltweit hat Ubisoft 20 weitere Niederlassungen.
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Von da an war Jade als leitende Produzentin von „Assassin’s Creed“ angestellt, welches 2007 erschienen ist. „Assassin’s Creed“ zog – trotz einiger Mängel am Spiel – einen riesen Hype mit sich und fang großen Anklang bei Spielern und Fachpresse. Man spielt grob umschrieben einen Auftragskiller im Mittelalter (einen Assassin) und springt dabei von Dach zu Dach in einer lebedingen 1zu1 umgesetzten und realistischen Spielewelt. In einer ausgedehnten Promo-Tour präsentiere Jade Raymond das Spiel und riss Chancenlos die komplette Presse und Medienbranche in ihren sympathischen Bann: Der Spiegel klatscht sie auf die Titelseite, MTV, Welt.de usw lobt Jade in hohen Tönen und der Rest der Medienlandschaft buhlt um ihre Aufmerksamkeit und bettelt um ihre Meinung zu Gott, der Welt und jeglichen aktuellen Games. Alle interessierten sich für die 90-60-90 Schönheit mit dem Zahnputz-Lächlen, der überzeugenen Art und dem unglaublichen Nerd-Know-How. Mit ihrer bloßen Präsenz verleiht sie der ganzen Videospiel- Industrie ein komplett anderes Gesicht und Stubenreines Image – trotz Metzel-Meuchler Spiel.
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2009 erschien dann der zweite Teil von „Assassin’s Creed“, welcher alle Unebenheiten des ersten (und überbewerteten) Teils ausbügelte, den Schauplatz nach Italien in die Renaissance-Zeit wechselte und allen in allem ein vollkommenen Spiel wurde. Diesmal aber war sie nur als „Executive Producer“ tätig, was so viel heißt wie: Ohne Beteiligung an der Entwicklung der Boss von allem und jeden sein – und – wieder für Promotion auf Welt-Tournee gehen. „Die Leute liebe dich Jade“, wird Ubisoft wohl gesagt haben. Einhundert und einmal lächeln bitte. Die beiden Teile verkauften sich insgesamt 20 Millionen Mal.
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Der ein Jahr darauffolgende Nachfolger, „Assassin’s Creed: Brotherhood“, perfektionierte „Assassin’s Creed 2“ und führte einen sehr spannenden Multiplayer-Modus mit ein. „Assassin’s Creed: Brotherhood“ soll sinnvollerweise auch für die nächsten Jahre erstmal
der letzte Teil der Serie bleiben, was eine gegen eine Übersättigung der Serie vorbeugt.
Jade selbst wurde diesmal komplett außen vor gelassen. Ende 2010 wurde dann bekannt gegeben, dass sie jetzt die Leitung vom neugegründeten Ubisoft Studio in Toronto übernommen hat – mit (angeblich) 300 Leuten unter ihrer Fuchtel. Ihr erstes Projekt dort wieder die Wiederbelebung von „Sam Fisher“ sein und der ausgelutschten „Splinter Cell“ Reihe mit dem dann kommenden Sechsten Teil neuen Glanz verleihen soll. Ihre weibliche Intuition wird’s richten.
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Ich denke, dass Jade Raymond kein Einzelfall bleiben wird. Anders als vor 20 Jahren wachsen selbst schon kleine Mädchen mit dem neu-anerkannten Kulturgut namens „Videospiele“ auf. Nach der Schule wird sich nicht mehr zum gemeinsamen Haare kämen der Barbie-Sammlung getroffen, sondern zum kabellosen Verbinden der Nintendo DS Gameboys und zocken. Auch die meisten Manga-Mädchen sind weit entfernt vom casual-gaming und bilden genauer hingeguckt sogar die Hardcore-Schicht der Japano-RPG’s (japanische Fantasy-Rollenspiele). Final Fantasy, Dragon Quest, Grandia, Breath of Fire, bunte Haare, große Augen, 40, 50, 60 Stunden Spielzeit pro Spiel – you know what i’m talking about. Die Zeiten
der verachtenden Mädchen-Blicke, weil man sich mit einem Kumpel zu laut über einen
Magic-Moment eines aktuellen Game unterhält, sind meiner Erkenntnis nach nun endlich Geschichte. Doch um als Zockerweibchen auch in Entwicklungs-Branche wirklich Fuß zu fassen, muss man durch und durch Nerd sein – wie Jade Raymond. Trotzdem ist ihr gutes Aussehen und ihre charmante Art mehr als nur ein kleiner Bonus für sie und ihre Karriere. Eine “Roseanne” würde sicher nicht so viel Aufmerksamkeit von den Medien bekommen.
Auch von mir nicht. Da bin ich ganz ehrlich.
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Foto von Ubisoft

















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