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Schlampig, chaotisch, unorganisiert, abweisend, minimalistisch und ehrfürchtig.
So oder so ähnlich würde ich meine Beziehung zu Briefen und der Post beschreiben (Paketdienste ausgenommen).
Denn ich hasse Briefe. Ich hasse Briefe zu bekommen und ich hasse es Briefe zu öffnen. Ich hasse es sie zu lesen. Ja – ich habe angst vor Briefen. Sehr große angst sogar. Briefe heißen nämlich selten was Gutes. Alles was man schriftlich per Post zugeschickt bekommt, ist
(nicht übertrieben) die Ausgeburt des Bösen: Rechnungen, Mahnungen, Mahnungen von unbezahlten Rechnungen, böse Anwälte, Abmahnungen von bösen Anwälten, Werbung, Werbung von guten und bösen Anwälten, Warnungen, Ankündigen (Stromabschaltung, Wasserabschaltung, Internetabschaltung, Straße-Umbauarbeiten), Versicherungen, GEZ, GEMA, Strafzettel, Steuern, der Staat, der Bund, die Stadt, das Ordnungsamt, die Polizei, die Gemeinde, der Nachbar. Alle wollen etwas von mir – meistens mein Geld. Keine Liebesbriefe, keine Groupie-Fotos, keine (seriösen) Gewinnmitteilungen, keine Konzertkarten (kommen jetzt alle nur noch digital), keine Partyeinladungen und fast keine Postkarten mehr. Ein trauriges Gewerbe mit unzufriedenen Postboten, welche nur kommen wenn es gerade nicht schneit und dabei gleichzeitig gewaltsam mit MP’s die 20-Stunden fordern.
Kann es eigentlich noch schlimmer werden?
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Ganz anders sieht es jedoch beim digitalen Pondon aus: Der E-Mail.
Sie ist nicht nur die schnellste Möglichkeit, seriöses Mitteilungen zu übermitteln, sondern auch die bequemste. Auch wenn viele (wie du zum Beispiel), ihr Mail-Postfach vielleicht einmal alle paar Wochen kontrollieren, ist bei mir die E-Mail Kontrolle das A und O. Ich bin süchtig danach. Anders als beim Brief, der SMS und Telefon-Anrufe, kann eine E-Mail von jedermann sein, um jede Tageszeit kommen, jedes Thema beinhalten und jeden Anhang mitbringen. Und meistens ist eine E-Mail (anders als die SMS oder ICQ-Nachricht) mit Liebe und einem höheren Anspruch geschrieben. Für mich ist es ist die Wundertüte die 21ten Jahrhunderts – wenn man gelernt hat, die Viagra-Spam-Mails automatisch zu verdrängen.
Alle paar Tage erwartet man eine unerwartete Überraschung:
‚Ein alter Bekannter oder Arbeitskollege hat dich übers Netz gefunden‘-Mails, ‚Ein verlockendes Job-Angebot schneit rein‘-Mails, ‚Ein Team will dich für unglaubliches Team‘-Mails, ‚Man ist Höchstbietender bei Ebay‘-Mails, ‚Newsletter deiner Lieblingsseiten‘-Mails, ‚Schnäppchen und Angebote bei den verschiedensten Shops‘-Mails, ‚Es wurden wieder T-Shirts von mir bestellt‘-Mails, ‚Wo ist Party am Wochenende‘-Mails, Blog-Kommentare-Mails, Twitter-Mails, Soziale-Netzwerke-Mails, Feedback-Mails, Statistiken-Mails, Antwort-Mails, Foto-Mails, Kumpel-Mails und Prominente-Mails.
Die Liste ist schier unendlich. Jede Mail, macht mich für eine kurze Zeit ein wenig glücklicher. Es ist wie Schokolade essen: Öffnen, erfreuen und morgen vielleicht nochmal anpacken.
Wenn ihr also mich glücklich machen wollt – schreibt mir einfach ne Mail.
Briefe öffne ich ja nicht. Aus Prinzip.
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mail [at] Buntkariert-Blog.de
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Foto von Julia Rachel
Keine Kommentare | In: privat | tags: Brief, E-Mail, Post. | #